Mensch und Biber leben in der Stadt oft direkt nebeneinander. Aber da die Tiere, wie dieser Biber in der Bildmitte, meist gut versteckt sind, nehmen wir selten Notiz von ihnen.
Dass sie sogar mitten in der Stadt wieder schwimmen, ist insofern erstaunlich, als 1863 der damals letzte Biber in Österreich erlegt wurde. Vor allem auf das Fleisch hatte man es ehemals abgesehen genauso wie auf das Bibergeil, ein fetthaltiges Sekret des Bibers, dem heilende Wirkung zugesprochen wurde.
Rund 100 Jahre später bekamen die großen Nager eine zweite Chance. Etwa 40 Tiere wurden in den Donauauen wiederangesiedelt und haben sich seither eifrig vermehrt. Heute geht man davon aus, dass ungefähr 200 Biberpaare außerhalb des Nationalparks Donauauen in und um Wien leben. Genaue Angaben zu den Zahlen der Biber sind aber schwierig, leichter ist es da schon über ihre generelle Bestandsgröße Auskunft zu geben. Ihr Bestand wächst nämlich keineswegs ungebremst, wie mitunter gerne behauptet wird. Vielmehr bleibt die Zahl der Biber ziemlich stabil, denn die meisten verfügbaren Lebensräume sind schon besiedelt und die Tiere regulieren ihre Bestände durch innerartliche Konkurrenz selber.
Gleich wie viele es sind, allein dass sie im menschlichen „Hoheitsgebiet“ Lebensraum beanspruchen, sehen nicht alle menschlichen Mitbewohner gerne.In Wahrheit ist der Biber jedoch alles andere als ein „mutwilliger Baummörder“ und „Landschaftsverschandler“. Aber der Reihe nach. Zunächst muss mal mit dem Ammenmärchen aufgeräumt werden, der Biber wäre ein Holzfresser. Das stimmt nicht.
Worauf er es eigentlich abgesehen hat, das ist frisches Grün, saftige junge Triebe und Blätter. Und da sie keine begnadeten Kletterer sind, fällen sie kurzerhand den ganzen Baum, um an die hochgelegenen Knospen und Blätter zu gelangen. Aber auch nur dann, wenn sich die krautigen Pflanzen in Bodennähe rar machen. Und erst in der kalten Jahreszeit legt der Biber mehr Bäume um, dann bildet – mangels frischen Grüns – die Rinde seine Hauptnahrungsquelle.
Die Bäume, auf die es der Biber abgesehen hat, wie Weiden oder Pappeln (oft Hybridpappeln), sind außerdem von keinem großen wirtschaftlichen Interesse und viele der abgebissenen Bäume wachsen auch wieder aus. Pro Jahr fällt eine fünfköpfige Biberfamilie im Schnitt 50 Bäume. Im Vergleich zum Holzbedarf einer Stadt von der Größe Wiens ist das freilich vernachlässigbar. Aber wenn die Lieblingspappel im Park dran glauben muss, gehen eben die Gemütswogen der Städter hoch. Dabei stellt es gar keinen allzu großen Aufwand dar, den einen oder anderen Baum vor dem Biber zu schützen. Eine Drahtmanschette rings um die Basis der Bäume hält die Nager ab und die Pappeln ganz.
Eine der Lieblingsbeschäftigungen des Bibers, frisches Grün vertilgen.
Anstatt immer nur auf ihrer Nagetätigkeit herumzureiten, sollte der Blick auch mal ein bisschen weiter schweifen und erkennen, dass Biber wahre Lebensraumerschaffer sind. Die Baue der Biber, die Biberburgen, bieten einer Vielzahl anderer Tierarten, sowohl unter als auch über Wasser Zuflucht und Nahrung. Im direkten Umfeld einer Biberburg treten nicht nur Fische in sehr hohen Dichten auf, auch verschiedene Vogelarten wie etwa der gefährdete Eisvogel, kleine Säugetiere, Amphibien und Insektenarten profitieren vom Biber-Totholz. Entlang der Neuen Donau etwa, kann das gut beobachtet werden, hier sorgen die Biber an den unverbauten Uferabschnitten für Lebensvielfalt.
Alle Fotos © Wiener Wildnis
Weitere Infos zu den Bibern allgemein und in der Stadt gibt es HIER.
Übrigens: Das Wiener Wildnis Magazin widmete sich in seiner zweiten Ausgabe ganz ausführlich dem Wiener Biber! Die Magazine gibt es zu bestellen.





